Der Serienmörder Raik Doormann (Oliver Masucci) und Polizistin Nela Langenbeck (Angelina Häntsch) treffen in "Gefesselt" aufeinander
30.09.2022 | „German Crime Story: Gefesselt“ goes Filmfest Hamburg

Oliver Masucci spielt Hamburger Säurefassmörder

Dass er für seine Rollen alles gibt, hat Oliver Masucci in vergangenen Werken bereits mehrfach bewiesen. Für die neue Prime Video-Serie „German Crime Story: Gefesselt" steigt er in die seelischen Abgründe des Hamburger Säurefassmörders hinab. Die ersten zwei Folgen der High End-Serie von Regisseur Florian Schwarz feiern ihre Premiere im Rahmen des Serien-Wettbewerbs beim Filmfest Hamburg 2022.

Eine Säge, Leichenteile, ein Koffer, der kaum zu tragen ist – direkt die ersten paar Minuten von „Gefesselt" machen den Zuschauer*innen klar, dass diese Serie kein Spaziergang wird. Und mittendrin Hauptdarsteller Oliver Masucci, der als exzentrischer, aber auch charmanter Pelzmacher Raik Doormann ein dunkles Geheimnis hütet: In einem selbst erbauten und schalldichten Atomschutzbunker unter seinem Haus quält und tötet er Frauen aus seinem persönlichen Umfeld, ohne dass es jemand mitbekommt. Selbst seine Familie ist ahnungslos.

Nichts für schwache Nerven: Raik Doormann zersägt die Leichen, bevor er sie entsorgt

Die Handlung ist inspiriert vom legendären Kriminalfall des sogenannten "Säurefassmörders", einem der berüchtigtsten Serienkiller Deutschlands, der im Hamburg der 80er und 90er sein Unwesen trieb. Aufmerksam geworden ist das Team hinter der Serie auf den echten Fall durch die Polizistin Marianne Atzeroth-Freier. „Sie war es, die überhaupt erst den Mordfall erkannt hat. Als eine der ersten Frauen im Hamburger Mordkommissariat hat sie den Täter zu Fall gebracht, weil sie den Opfern und ihren Angehörigen zugehört und gegen den Widerstand ihrer männlichen Kollegen ermittelt hat. Ohne sie wären die vermissten Frauen nie gefunden worden", verrät Produzent Dietmar Güntsche, der die Serie zusammen mit den beiden Producerinnen Nadine Grünsteidel und Ulrike Schölles mit seiner Firma Neue Bioskop Television realisiert hat.

Es wird eng: Raik Doormann auf dem Polizeireview

Als schließlich klar war, dass die Neue Bioskop das Projekt in Zusammenarbeit mit Amazon Prime Video im 6x45 Minuten-Format umsetzen wird, hieß es für das Filmteam: Polizeiakten wälzen und mit Menschen sprechen, die damals an dem Fall beteiligt waren. „Wir hatten wirklich extrem viel Material – da muss man verdichten, vor allem um sich kreative Freiräume zu schaffen. Wir wollten den Geist der Geschichte treffen und trotzdem modern erzählen", erzählt Regisseur Florian Schwarz. „Bis heute weiß niemand, was sich wirklich in dem Bunker zugetragen hat. Zum Glück. Denn genau da fängt man an Geschichten zu entwickeln." Auch wenn die Serie auf einem wahren Kriminalfall basiert, mischt sich hier True Crime mit Fiktion. Auch Namen und Geschehnisse wurden für die Serie verändert.

Der Serienmörder zwingt seine Opfer, Briefe und Karten an die Hinterbliebenen zu schreiben

Die Dreharbeiten fanden 2021 in ganz Deutschland statt: So wurden etwa das Haus von Raik Doormann sowie der Platz davor in Hamburg gedreht. Auch die Kiezkneipe Haifisch Bar bekommt in der Serie ihren Auftritt. Das Polizeikommissariat hingegen, von dem aus die Ermittlerin Nela Langenbeck (gespielt von Angelina Häntsch) Stück für Stück die Verbrechen des Säurefassmörders aufdeckt, wurde in München gefilmt. Doormanns Atomschutzbunker wiederum steht in Leipzig. Insgesamt haben die Dreharbeiten 67 Tage gedauert, rund vier Wochen davon war die Crew in Hamburg unterwegs.

67 Tage, die sich insbesondere um die Taten eines vermeintlichen Serienmörders drehen – geht einem das irgendwann an die Substanz? „Zum Glück nicht so sehr", betont Florian Schwarz. „Auch wenn ich schon immer ein Faible für dunkle Geschichten hatte, und sie gut verarbeiten kann, war es hier – eben, weil „Gefesselt" auf einem historischen Fall mit realen Opfern und traumatisierten Angehörigen beruht – schon etwas anderes. Die innere Distanz ist im Gegensatz zu einer komplett fiktionalen Geschichte geringer. Das hat uns nach drei Monaten Drehzeit schon erschöpft.

Das Team bei den Dreharbeiten auf der Hamburger Reeperbahn im Jahr 2021

Inspiration holte er sich u.a. von Filmen mit ähnlicher Thematik wie etwa „Manhunter", „Gerald Kargels „Angst", der Serie „American Crime Story", oder, im Hinblick auf den Umgang mit Gewaltdarstellungen, auch von Fatih Akins „Der Goldene Handschuh".

Neben der aufwändigen Recherche des Kriminalfalls war das Szenenbild eine weitere Herausforderung – denn die gesamte Serie spielt in den 80er und 90er Jahren. „Wir haben uns bereits ein halbes Jahr vor Drehbeginn intensiv mit dem Szenenbild beschäftigt und hierfür mit unserem Production Designer Johannes Salat jede Menge historisches Material wie Chroniken, Polizeifotos, Filme natürlich, aber auch Möbelkataloge aus der damaligen Zeit studiert", sagt Florian Schwarz. Auch von der damaligen Fotografie und den braunstichigen Bildern habe man sich inspirieren lassen, wie ein Blick in Raik Doormanns Wohnung direkt beweist.

Angelina Häntsch mit einer starken Performance als Polizistin Nela Langenbeck

Doch was nutzt das beste Szenenbild, wenn die schauspielerische Leistung nicht überzeugt? Angelina Häntsch weiß in ihrer Rolle als Polizistin Nela Langenbeck, die sich in einer Männerwelt für ihre Überzeugungen aufreiben muss und so die Puzzleteile zusammenbringt, mehr als zu überzeugen. „Absolut faszinierend, wie sie ihre Figur, der der Fall auf verschiedenen Ebenen zusetzt, erlebbar macht", meint Florian Schwarz. Mit Oliver Masucci hat sich das „Gefesselt"-Team einen der intensivsten und vielseitigsten Schauspieler der letzten Jahre ins Boot geholt. „Oliver Masucci ist ein Vollblutschauspieler, der auch während der Drehpausen in seiner Rolle bleibt und eine unheimliche und raumgreifende Performance abliefert", sagt Produzent Dietmar Güntsche. Und Florian Schwarz ergänzt: „Er hat einfach keine Angst, sich in menschliche Abgründe zu begeben, dazu muss man den Mut haben."

Am 1. Oktober werden die ersten zwei Episoden ihre Premiere beim Filmfest Hamburg feiern – auf Prime Video soll die Serie im Januar 2023 starten. Am Freitag dem 13. Da bleibt uns eigentlich nicht mehr viel mehr zu sagen als: Licht aus, Grusel an.

Neue Bioskop Television
weitere Stories
Weitere Beiträge