24.02.2022

Expedition in den Film-NordenJahresbericht 2020 und 2021

Jahresbericht-Grafik mit gelbem U-Boot.

Im neuen, digitalen Jahresbericht der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein steht die Bilanz der Corona-Jahre 2020 und 2021 auf dem Programm. 2.501 Drehtage, 26,2 Millionen Euro Fördermittel, Goldene Bären und Leoparden.

Keine Lust auf rohe Fakten? Hier geht's zum digitalen, animierten Jahresbericht.

Download Foto der Pressekonferenz in den Zeise Kinos (v.l. Maite Woköck, Helge Albers, Pheline Roggan) Credits: www.eichinger.hamburg

FILMBRANCHE IN ZEITEN VON CORONA

In den vergangenen zwei Jahren wurden dank der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein zusätzlich zu den regulären Fördermitteln gut 5,7 Millionen Euro Corona-Hilfen an die Film- und Kinobranche in der Förderregion ausgezahlt. Allein 43 Projekte haben aufgrund von Drehverschiebungen- und Abbrüchen die Corona-Soforthilfe in Anspruch genommen, über 3 Millionen Euro gingen seit 2020 an Programm- und Stadtteilkinos in beiden Bundesländern.

GEFÖRDERTE PROJEKTE 20/21

Insgesamt hat die MOIN Filmförderung in den vergangenen beiden Jahren 559 Förderzusagen mit einem Gesamtvolumen von 26,2 Millionen Euro ausgesprochen. Der Regionaleffekt betrug in dieser Zeit das Dreifache der Fördersumme. Für jeden geförderten Euro eines abgerechneten Projekts wurden somit 3,12 Euro in der Förderregion ausgegeben.

Unter den geförderten Projekten waren 128 Kinofilme mit einem Fördervolumen von 17,9 Millionen Euro. Die höchsten Fördersummen gingen an Fatih Akins Gangster-Epos „Rheingold" (700.000 Euro) sowie Lars Jessens Romanverfilmung „Mittagsstunde" (700.000 Euro) und den Animationsfilm „Der letzte Sänger der Wale" (600.000 Euro) der Hamburger Telescope Animation Studios.

Im Bereich Entwicklung (Drehbücher, Projektentwicklung) konnten insgesamt 168 Projekte mit 3,8 Millionen Euro gefördert werden. Das entspricht rund 15 Prozent der Fördermittel insgesamt. Eine neue Rekordmarke. Aus den entwickelten Stoffen entstehen eines Tages Kinofilme, Streaming-Serien und innovative Bewegtbildinhalte wie etwa Virtual-Reality-Installationen.

High-End-Serien sind aus dem aktuellen Angebot von Streamern und Sendern nicht mehr wegzudenken: Rund 1,69 Millionen Euro flossen in den vergangenen zwei Jahren an 24 Serienprojekte – und 2022 startete direkt mit einer millionenschweren Förderung von sechs weiteren Serienstoffen. Zu den geförderten Serien gehören etwa die Amazon Prime-Serie German Crime Story: Gefesselt mit Oliver Massuci und die gerade auf der Berlinale vorgestellte Doku-Serie Reeperbahn Special Unit 65.

DREHARBEITEN

Im Jahr 2020 hat sich die Zahl der Filmdrehs Corona-bedingt mehr als halbiert. Doch 2021 hat die Branche im Norden zu alter Stärke zurückgefunden. Insgesamt gab es in den Jahren 2020 und 2021 genau 2.501 Drehtage, wobei 1.805 auf Hamburg und 696 auf Schleswig-Holstein entfallen. Im nördlichsten Bundesland hat sich mit dem Filmwassertank der Firma OffTEC zudem ein echter Location-Geheimtipp etabliert: Hier entstand im Jahr 2021 der Unterwasser-Thriller „The Dive" von Maximilian Erlenwein – 2019 hat bei OffTEC in Nordfriesland bereits US-Superstar Michael B. Jordan für seinen Actionfilm „Tom Clancy's Gnadenlos" gedreht.

FESTIVALS UND PREISE

Den größten Festivalerfolg konnte der Regisseur, Drehbuchautor und Wahlhamburger Mohammad Rasoulof mit seinem Drama Doch das Böse gibt es nicht verbuchen – der Film um die Todesstrafe im Iran gewann 2020 den Goldenen Bären und wurde von der Hamburger Firma Cosmopol Film produziert. Im Jahr 2021 ging einer der wichtigsten Festivalpreise an den indonesischen Regisseur Edwin: Mit Vengeance is mine, all others pay cash (koproduziert von Fatih Akins Firma bombero international) gewann er den Goldenen Leoparden in Locarno. Der Leopard für die beste Nachwuchsdarstellerin ging an Saskia Rosendahl für Sabrina Sarabis Drama Niemand ist bei den Kälbern, das 16 Drehtage in Schleswig-Holstein hatte und von Weydemann Bros. aus Hamburg produziert wurde. Die Hamburger Firma Bon Voyage Films gewann mit ihrer Politsatire Curveball – Wir machen die Wahrheit den Deutschen Filmpreis 2021 in Bronze, Thorsten Merten wurde als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Zwei weitere Deutsche Filmpreise gab es für Hermine Huntgeburths Biopic Lindenberg – Mach dein Ding, das fast 700.000 Zuschauer*innen im Kino sahen. Ebenfalls sehr erfolgreich in der Pandemie: Catweazle von Sven Unterwaldt, der mehr als 600.000 Menschen ins Kino lockte.

DIVERSITÄT UND NACHHALTIGKEIT

Die MOIN Filmförderung hat sich zum Ziel gesetzt, dass weibliche Filmschaffende genauso viel Förderung erhalten können wie männliche. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Im Gremium „Director's Cut" – zuständig für Arthouse-Kinofilme – klappt dies bereits gut mit einem Regisseurinnen-Anteil von 53 Prozent. Einiges zu tun gibt es noch im höher budgetieren High-End-Segment: Dort sind die Regisseure mit 76 Prozent deutlich in der Mehrheit. Mehr Diversity-Zahlen gibt es im Jahresbericht-PDF ab Seite 11.

Im Bereich Nachhaltigkeit hat die MOIN Filmförderung in ihrer Arbeit im Jahr 2020 den Grünen Filmpass und 2021 das erste, bundesweit geltende Label Green Motion eingeführt – ein Gedanke, der in Hamburg im Jahr 2012 seinen Anfang genommen hat. Somit ist sichergestellt, dass vom Drehbuch über die Produktion bis zum Verleih auf den ökologischen Fußabdruck geachtet wird.

AUSBLICK KINOSTARTS

Im Jahr 2022 kann sich das Publikum auf einige MOIN-geförderte Kinohighlights freuen, hierzu zählen u.a. Peterchens Mondfahrt von Ali Samadi Ahadi (31.03.2022), Michael Bully Herbigs Tausend Zeilen (29.09.2022), Fatih Akins Rheingold (27.10.2022) und die Meyerhoff-Romanverfilmung Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war (22.12.2022) von Sonja Heiss.