05.09.2022

Toronto Film Festival: Sechsmal lang, einmal kurz TIFF 2022

Filmstill aus dem Film War Sailor
Internationale Premiere für "War Sailor" beim TIFF 2022. Copyright: Beta Cinema

Insgesamt sieben MOIN-geförderte Filme werden in diesem Jahr beim Toronto International Film Festival vom 8. bis 18. September zu sehen sein. Neben den Premieren der beiden internationalen Koproduktionen „War Sailor" und „Snow and the Bear" hat es auch der norddeutsche Kurzfilm „Beben" ins Programm geschafft.

SEKTION CONTEMPORARY WORLD CINEMA

War Sailor
Ein düsteres Kapitel der norwegischen Geschichte beleuchtet Regisseur und Drehbuchautor Gunnar Vikene in seinem neuen Film „War Sailor": Die deutsche Invasion in Norwegen während des Zweiten Weltkriegs macht zwei lebenslange Freunde zu Flüchtlingen auf See. Die beiden Männer transportieren wichtige Vorräte für die alliierten Streitkräfte und leben in ständiger Angst vor den deutschen U-Booten. Die War Sailors haben nur ein Ziel: zu überleben – und nach Hause zurückzukehren. Im Sommer 2021 drehte das Team insgesamt sieben Tage in Lübeck und Hamburg. Hauptproduzenten sind die Firmen Rohfilm Factory aus Lübeck sowie Mer Film aus Norwegen. Als Koproduzenten von "War Sailor" sind die Letterbox Filmproduktion, der NDR und Falkun Films mit an Bord.

Victim
Während „Victim" seine Weltpremiere gerade bei den Filmfestspielen in Venedig feiert, ist das Drama bald erstmals in Nordamerika zu sehen. Der slowakische Regisseur Michal Blaško bringt die Zuschauer*innen mit seinem Film in eine tschechische Kleinstadt. Hier lebt die Ukrainerin und alleinerziehende Mutter Irina mit ihrem Sohn Igor und möchte sich ein neues Leben aufbauen. Als ihr Sohn eines Tages scheinbar von einer Gruppe Roma lebensgefährlich verletzt wird, setzt dies im Ort einen Strudel von Ereignissen in Gang, die Irina bald schon nicht mehr kontrollieren kann. Hauptdarstellerin Vita Smachelyuk lebt in Hamburg, auch ein Großteil der Postproduktion hat in der Hansestadt stattgefunden. Deutscher Koproduzent ist die Firma Electric Sheep. Das Drehbuch kommt von Jakub Medvecky und Tomas Hruby.

SEKTION SPECIAL PRESENTATIONS

Holy Spider
Mit „Holy Spider" von Regisseur Ali Abbasi wird in diesem Jahr eine düstere deutsch-dänische Koproduktion in Toronto zu sehen sein, die bereits in Cannes Premiere feierte. In dem Thriller taucht eine Journalistin in die dunklen Schattenseiten der iranischen Stadt Mashhad hinab, um den Serienmorden an Prostituierten durch den so genannten "Spinnenmörder" auf den Grund zu gehen. Dieser glaubt, die Straßen von Sündern säubern zu müssen. Abbasis Film „Border" gewann 2018 in Cannes den Hauptpreis in der Sektion „Un Certain Regard". Für „Holy Spider", dessen Postproduktion teilweise in Hamburg stattfand, gewann Hauptdarstellerin Zar Amir Ebrahimi dieses Jahr die goldene Palme als beste Darstellerin.

Triangle of Sadness
In Cannes wurde Ruben Östlunds Social-Satire bereits mit der goldenen Palme als bester Film ausgezeichnet – jetzt kommt auch das Publikum in Toronto noch vor dem offiziellen Kinostart in den Genuss von Östlunds neuem Film, in dem es um zwei Models geht, die eine Luxus-Kreuzfahrt in der Südsee machen. Die Reise endet in einem absurden Desaster, als das Schiff sinkt und einige Überlebende sich auf eine verlassene Insel retten können. Neben US-Superstar Woody Harrelson spielt die deutsche Schauspielerin Iris Berben im Film mit. Ein Teil der Postproduktion und des Teams kommt aus Hamburg.

SEKTION DISCOVERY

Snow and the Bear
In Selcen Erguns Spielfilmdebüt wird eine junge Krankenschwester in ein kleines türkisches Bergdorf berufen, in dem der Schnee die Dorfgemeinschaft immer weiter von der Außenwelt abschneidet. Eines Nachts verschwindet ein Mann, mit dem sie zuvor einen Streit hatte. Sie findet sich inmitten von verworrenen Machtverhältnissen, Geheimnistuerei und inneren Zweifeln wieder. Koproduzent ist die Hamburger Rivafilm.

SEKTION WAVELENGTHS

Pacifiction
Im neuen Drama von Albert Serra dreht sich alles um einen französischen Hochkommissar auf Tahiti. Zwischen offiziellen Empfängen und zwielichtigen Lokalen fühlt er ständig den Puls der einheimischen Bevölkerung, aus der jederzeit Wut aufsteigen kann. Dies gilt umso mehr, als sich ein Gerücht hartnäckig hält: Angeblich wurde ein U-Boot gesichtet, dessen geisterhafte Präsenz eine Wiederaufnahme der französischen Atomtests ankündigt. Hinter der europäischen Koproduktion steckt die Hamburger Produktionsfirma Tamtam Film („Ein großes Versprechen", „Manche hatten Krokodile"). Der Film feierte seine Premiere dieses Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes.

SEKTION SHORT CUTS

Beben
Weltpremiere in Cannes, jetzt zu Gast in Toronto: Der Kurzfilm „Beben" von Regisseur Rudolf Fitzgerald Leonard wurde zum Großteil in Schleswig-Holstein gedreht – Hauptdarsteller ist der Hamburger Luis Brandt. Im Zentrum des Films stehen die Physiotherapeutin Mina und ihr jugendlicher Patient Leon, der mit infantiler Zerebralparese lebt. Während einer Therapiesitzung im Therapiebecken kommt es zu einem Zwischenfall, der von ein paar unbeteiligten Personen mit dem Handy aufgezeichnet und ins Internet gestellt wird. Das Video und die Verbreitung in den sozialen Medien haben weitreichende Folgen für die zwei Hauptprotagonist*innen. Das Drehbuch schrieb Fitzgerald Leonard gemeinsam mit Luis Brandt und Produzentin Annika Birgel.