07.04.2022

Willkommen in der RealitätRund 1,2 Millionen Euro für 29 Projekte

Ein Porträt über die Hamburger Kultband Tocotronic und der neue Film von „Manche hatten Krokodile"-Regisseur Christian Hornung über die Hamburger Sternbrücke: Das Director's Cut-Gremium der MOIN Filmförderung hat rund 1,2 Millionen Euro an 29 Projekte vergeben – darunter zehn Dokumentarfilme, die in der Produktion gefördert wurden.

FÖRDERUNG PRODUKTION

Mit „Manche hatten Krokodile" hat er sich in die Herzen vieler Hamburger*innen gefilmt, jetzt geht Regisseur und Autor Christian Hornung sein neues Projekt an: In Sternbrücke – Der letzte Sommer (120.000 Euro, Tamtam Film, Hamburg) zeichnet er ein letztes Porträt der gleichnamigen Eisenbahnbrücke, bevor das historische Bauwerk im Jahr 2023 abgerissen wird. Die Brücke – ein Zentrum der Hamburger Subkultur – war unter anderem Schauplatz in Fatih Akins Film „Soul Kitchen" und ziert das Cover von Jan Delays Album "Wir Kinder vom Bahnhof Soul". Das Hamburger Filmteam wird im Sommer 40 Drehtage in der Hansestadt haben.

Die Hamburger Regisseure Thorsten Ernst und Tobias Lickes begleiten in dem Dokumentarfilm All Inclusive (100.000 Euro, Kloos & Co. Nord, Hamburg) vier Sportler*innen aus der ganzen Welt, die alle mit unterschiedlichen geistigen Behinderungen leben und auf die Teilnahme an den Special Olympics World Games 2023 hinarbeiten. Ein Protagonist stammt aus Hamburg – eine der Gastgeberstädte der Special Olympics – in der zehn Drehtage geplant sind. Das Drehbuch schrieben der Hamburger Gordon Volk und Malte Nieschalk aus Schleswig-Holstein gemeinsam mit den Regisseuren.

Eine Tour de Force durch 100 Jahre deutsche Geschichte liefert Regisseurin und Drehbuchautorin Laura Laabs mit Rote Sterne überm Feld (100.000 Euro, Amerikafilm, Berlin). Geplant sind für den Thriller fünf Drehtage in Schleswig-Holstein. Weitere 90.000 Euro Produktionsförderung gehen an den Dokumentarfilm Rien ne vas plus (Filmtank, Hamburg): HFBK Hamburg-Absolvent Anton von Bredow erzählt gemeinsam mit dem italienischen Regisseur Michele Cirigliano die Geschichte eines Fischerdorfs, dessen größter Arbeitgeber für viele Jahre ein monumentales Spielcasino direkt im Ort war.

Die Hamburger Band Tocotronic steht im Zentrum des Dokumentarfilms Tocotronic – Im Zweifel für den Zweifel (75.000 Euro, Hanfgarn & Ufer Nord, Hamburg) von Dietmar Post. Mit einem Mix aus Konzert- sowie Studioaufnahmen und Archivmaterial soll die vierköpfige Indieband porträtiert werden – dafür sind 22 Drehtage in Hamburg geplant. Das Drehbuch schrieb Post gemeinsam mit Lucia Palacios. Die Hamburger Regisseurin und Autorin Iris Pakulla folgt in ihrem Dokumentarfilm Angry Spirits (70.000 Euro, Gebrüder Beetz, Hamburg) einer ehemaligen Nomadin, die zu ihrem alten Clan in die Wüste Gobi zurückkehrt und dort mit der Zerstörung der Natur konfrontiert wird. Die Filmemacherin Tatjana Bozic lebt als alleinerziehende Mutter in einer westeuropäischen Metropole und begibt sich in ihrem Dokumentarfilm People in my House – Auf der Suche nach Zugehörigkeit (56.000 Euro, Doppelplusultra, Hamburg) auf die Spuren eben dieser.

Der Dokumentarfilm Die unsichtbare Heldin (50.000 Euro, Rejell, Hamburg) des Hamburger Regisseurs und Autors Matthias Freier handelt von einer Kriminalkommissarin, die in den 80er und 90er Jahren einen der schlimmsten Serienmörder Deutschlands jagt. Geplant sind 18 Drehtage in Hamburg und drei in Schleswig-Holstein. Förderung in Höhe von 50.000 Euro geht außerdem an den deutsch-türkischen Experimentalfilm New Dawn Fades (StoryBay Media, Hamburg) von Regisseur und Autor Gürcan Keltek über einen Schauspieler mit bipolarer Störung. Um Bürgerbeteiligung und Kommunalpolitik in Schleswig-Holstein geht es in Ein Ergebnis von Beratungen (40.000 Euro, Westerholt & Gysenberg, Heikendorf) von Filmemacher Florian von Westerholt. Der Dokumentarfilm VergissMeynNicht (35.000 Euro, Made in Germany, Köln) von Jens Mühlhoff, Kilian Kuhlendahl und Fabiana Fragale beschäftigt sich mit den Vorkommnissen im Hambacher Forst im Jahr 2018. Die deutsch-chilenische Produktion Malqueridas (Dirk Manthey Film, Hamburg) von Tana Gilbert über Mutterschaft im Gefängnis erhält 30.000 Euro Produktionsförderung.

FÖRDERUNG DEVELOPMENT

Im Bereich Projektentwicklung wurden fünf Projekte gefördert. Die frühen Geheimdienstjahre der werdenden Autorin Astrid Lindgren beleuchtet Wilfried Hauke in seinem Dokumentarfilm Das Fenster in Stockholm (50.000 Euro, IDA Film & TV Produktion, Kiel) mit unbekanntem Bildmaterial und szenischen Sequenzen. Die im Rahmen des „Nordlichter"-Nachwuchsprogramms geförderte Serie BRÜT (40.000 Euro, Ohne Falsch Film, Hamburg) der HFBK Hamburg-Absolvent*innen Marian Freistühler und Oliver Bassemir handelt von einem Pilz-Connaisseur und einem Birdwatcher, die den Wilden Wald Wilhelmsburg vor der Rodung retten wollen und sich dabei ineinander verlieben. Weitere Förderung im Bereich Projektentwicklung geht an das Drama Aguadolce (25.000 Euro, Junafilm, Hamburg) von HFBK-Absolvent Sebastian Egert, den Dokumentarfilm Break the System (20.000 Euro, von Dorsch, Flensburg) der Flensburgerin Anita Jürgensen sowie das Psychodrama I was home when I got there (20.000 Euro, PakFilm, Hamburg).

Das Director's Cut-Gremium hat in der aktuellen Runde zudem fünf Drehbücher gefördert: Das in Hamburg angesiedelte Drama Sarya (25.000 Euro) von Yüksel Yavuz, das LGBTIQ-Drama Grammatik (25.000 Euro Fünferfilm, Hamburg) von Regisseur Popo Fan, den Coming of Age-Film Nicht weg und nicht da (23.000 Euro, Triple Pictures, Hamburg) von Viola Schmidt und Florian Borkamp, den Kinderfilm Roxana, Xaver und das Goldhaus (20.000 Euro, Skalar Film, Hamburg) der Hamburger Autorin Ricarda Saleh Rojas sowie das Drama Ultima Thule (18.000 Euro) von HFBK-Absolvent Kaspar Peters.

FÖRDERUNG VERLEIH UND KINO

Im Bereich Verleih und Kino wurden alle eingereichten Projekte in voller Antragshöhe gefördert. Hierzu zählen Wendla Nölles Drama Ein großes Versprechen (28.000 Euro, Filmperlen, Köln), das Drama Land of Dreams der Filmkünstlerin Shirin Neshat (24.650 Euro, W-film Distribution, Köln), der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm The Other Side Of The River (16.000 Euro, Jip Film & Verleih, Frankfurt a.M.) von Antonia Kilian sowie das Drama Nachbarn (15.000 Euro, Barnsteiner-Film, Ascheffel) von Mano Khalil.

Die Vorfreude auf den Kinosommer steigt: Für die Filmnächte im Schanzenpark (3001 Kino) gibt es Förderung in Höhe von 9.500 Euro. Die Close-up Filmreihe im Metropolis Kino begleitend zur Ausstellung in Altona wird mit 4.000 Euro unterstützt. Und 3.500 Euro gehen an das Jubiläumsprogramm 35mm für 35 Jahre B-Movie.

Eine Übersicht aller geförderten Projekte gibt es hier.

Das Gremium Director's Cut ist für Filme und Serien mit Produktionskosten unter 3,5 Mio. Euro sowie Kinodokumentarfilme mit Herstellungskosten unter 1,5 Mio. Euro zuständig.